Archive for April, 2009

Frühlingszeit ist Cannes-Einreichzeit.

Tuesday, April 7th, 2009

Wer wie ich seit fast einem Jahrzehnt die globale OOH und Ambient Media Szene studiert, findet es immer wieder amüsant und gleichzeitig spannend, wie geballt Kampagnen, vor allem aus dem ‚One-time and one-place’ Segment auf den Konsument und die Konkurrenz einschlagen. Oft treffen wir auf eine Print-Anzeige oder ein Plakat und denken: ‚Do I know you?’, haben wir doch verdammt ähnlich aussehendes noch im Kopf. So hart es manchmal für Agenturen ist, die glauben, intellektuell bestohlen worden zu sein, die Frage, die sich aufdrängt, lautet: ‚Who cares?’. Wäre Werbung Wissenschaft, Journalismus oder Kunst, natürlich würde es dann wichtig sein, von Ideenklau oder ‚ownership’ zu sprechen. Werbung hingegen ist just business. We’re all business people. We sell stuff. Unser Job ist es, die ohnehin skeptischen Käufer von Marken und Produkten mit der Botschaft zu konfrontieren, die als relevant goutiert wird. Den Branchenkritikern sei deshalb Bob Garfield, selbsternannter Branchenzyniker und great Vorbild of mine mit auf den Weg gegeben, der weise meint: ‚Novelty is camouflage for inability to solve the problem at hand.’ 

Cannes ist nicht nur networking hot pot erlauchter Kreativköpfe und Mediagenies und überdimensionale Leinwand, an der die exquisitesten Werbekampagnen des letzten Jahres pinnen, Cannes offeriert mir bereits das 4. Mal in Folge, seine Plattform als Lernwerkstatt zu verwenden. Am Dienstag, den 23.6. um 15h werde ich gemeinsam mit meinem Geschäftspartner, dem Designguru Marco Bevolo einen 2stündigen Workshop zum Thema ‚The Art of Projectionism and more trends to creatively use the public space’ gestalten. Wir freuen uns auf Euch.  

Visuell spannendes und mental anregendes gab’s in der letzten Zeit vieles, wovon ich berichten kann. Hier einige ausgewählte Gustostückerl:  Für diese Bodenbeklebung braucht der Liftfahrer starke Nerven. Wer hier einsteigt, wird von einer Schweizer Skydiving-Schule mental gen Himmel katapultiert. Aus Flugzeugen im Sturzflug in Stadtzentren zu springen, scheint wirklich im Trend zu liegen. Und Felix Baumgartner lässt grüßen. 

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Ähnlich nervenaufreibend, dafür sportlich aktiv – so zumindest präsentiert sich diese Nike Idee. Wer den neuen Katalog möchte, der hier heiß begehrt zu sein scheint, muss rennen. Obwohl das Einatmen der Auspuffgase und die Chance, von hinterherfahrenden Autos überrollt zu werden, ungesünder erscheint, als couch potato-haft beim Marathon im Fernsehen ein Bier zu heben.   

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Ja, wie’s der gute alte Fendrich vor langer Zeit gesagt: Sport ist Mord. An Mord denken bei der folgenden Umsetzung aus den Niederlanden wahrscheinlich auch Damen, die ungern über ihr Alter und schon gar nicht über ihr Gewicht sprechen. Die ‚Fitness First Company’ wirbt mit umgebauten Bushaltestellen für ihre Fitness-Studios. Statt eines 08/15 Werbeplakats wurde in die City Light Stelle eine Anzeige integriert. In Verbindung mit einer Wiegevorrichtung an der Sitzbank wird das Gewicht der darauf Platz nehmenden Pendler angezeigt. Eine Idee für Zeitgenossen mit einer ordentlichen Prise Selbstironie. Hier zeigt sich vielleicht die Finesse kultureller Divergenz. In manchen unserer Nachbarländer wäre dieser Kampagne ‚schwer’ umsetzbar.    

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Aber zurück zu ungesunder Lebensweise. Butter. Kennt Ihr dieses Produkt eigentlich noch? Fitnessclubgestählte Körper, die sich Butter einwerfen – erscheint als krasser Widerspruch in sich. Und doch will uns Floralp genau vom Gegenteil erzählen. Ein Bild, das 1000 Worte spricht. Jemand hat nur das Innere des Brotes gekaut. Dort, wo die fette Butter drauflag. Ich tippe hier auf einen Opa mit dritten Zähnen, der auf Rinde gern verzichtet. Zurück bleibt die unappetitliche Mauer des Bahnhofs, auf die ich jetzt starren kann. 

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Amüsant und definitiv intelligenter ist das folgende Sujet, das eine spezifische französische Doppeldeutigkeit als Gegenstand dieser LU Kekskampagne macht. Petit creux bedeutet nämlich im französischen nicht nur ‚kleiner Hunger’, sondern wortwörtlich auch ‚kleine Aushölung’.

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Vom Keks zur süßen - halt - sexy Lady, wollt’ ich sagen. Eine gelungene Umsetzung am billboard unseres Branchenkonkurrenten. Model Lauren Budd posierte für die Presse und Hunderte von Pendler, die sich am Weg zur Arbeit befanden. Leider wirkt die Umsetzung am Tag 2 ohne heiße Braut relativ fad. Es ist zu hoffen, dass man Lauren nicht durch halbnackte Promotiongirls ersetzte, die sich Anfang März bei Wintertemperaturen den A…. abfrieren mussten.

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Riesenbodenbeklebung, wie in dieser indonesischen Traumkampagne eines Ambient Media Planers gezeigt, scheint auch wirklich nur in Asien leistbar zu sein. Vor allem, wenn es sich um ein so skurriles Produkt wie einen ‚Floh- und Zeckenspray’ handelt. Aus den oberen Etagen dieses Einkaufscenters betrachtet, transformierten sich die Besucher optisch in das kleine Untier. Brillant.   

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Eine coole ambient media Kampagne für Aero (Nestlé) zeigt, wie TV Kampagnen (check the spot on youtube)  ins reale Leben geholt werden.http://www.youtube.com/watch?v=VMz0XCfhyCU 

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Apropo Skateboarder: Kakerlaken haben in der globalen Medienberichterstattung traurige Berühmtheit erlangt. Vor kurzem präsentierte ein US Modedesigner mit Juwelen beklebte Kakerlaken als Mode-Accessoire, jetzt müssen die grauslichen Insekten (ich habe in Mexiko gelebt, ich weiß, wovon ich spreche) auch noch als Werbemedium herhalten. Aktivisten der Footwear Marke “Zoo York” taggen die kleinen Tierchen mit dem Logo der Schuhmarke und schütteten sie in “Hit & Run”-Manier vor der ZG auf den Boden. PR - Zielgruppe: die Banker New Yorks. Nicht, dass die uns heutzutage noch leid tun. Ich meine die Banker, nicht die Kakerlaken.  http://www.youtube.com/watch?v=J1rQkvViIEg&feature=player_embedded 

Wenn die Stadtwerke ihre Stromhäuschen in urbane Kunstwerke verwandeln, schmunzelt das designverliebte Herz. Vor allem, wenn das Logo fehlt. Auch wenn sich über die Ästhetik streiten lässt, interessant ist dieses visuelle Spiel aus Media & Message allemal.    

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Obwohl unsere Postkästen und wahrscheinlich alle Postkästen dieser Welt bald  aus der realen Stadtumgebung verschwinden und ab ins Museum wandern werden, genießen wir besonders gelungene Kreativlösungen wie diese für Niagara Falls. Die Tourismusbehörde hat Mut für die Bewerbung unkonventioneller Orte gezeigt. Ein Wunder, dass Sammler hier nicht das taten: abbauen – klauen. Treehugging – welch’ schönes Schlagwort für den Trend, mehr an die Natur und weniger ans Geldbörsel zu denken. Die Treehugger – Kampagne aus Sydney schlägt vor, was wir ab und zu mal machen sollten. Wenn wir schon nicht unsere Freundin oder unseren Ehemann umarmen, könnten wir’s zur Abwechslung ja mal mit dem Baum im Garten oder nächstgelegenen Park tun.  

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‚Klasse Werbung’ ist nur eins meiner favorisierten Steckenpferde. Wohin ich sonst noch meine Nase stecke, ist die Modeszene, das globale Architekturterrain und wer mich kennt, der weiß: die Kunst. Würde ich keine bunten Ideen für Epamedia entwerfen, würde ich die wilden Jungen der zeitgenössischen Kunstszene verscherbeln. Für Christie’s wohlgemerkt. Nun gut: hier einige Tipps und Kontakte, die ich gerne teile. Modefreaks empfehle ich die Blogseite dieser jungen Dame: http://blogs.lexpress.fr/cafe-mode/index.php /  

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Wer meiner Begeisterung für Chanel’s brillanten Repräsentant, Karl Lagerfeld, ähnlich viel abgewinnen kann, erfreut sich vielleicht, wie ich, an Karli’s neuer Kreation. Struktur statt Chaos und das im Handtaschendesign. Mit allem, was das die Frau so braucht. Wieso sehe ich hinter dieser Tasche eigentlich schon wieder eine neue Plakatkreation? 

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All jene, die wie ich auf Reisen gerne mal luxuriös absteigen, sei das neue W Hotel in Hong Kong empfohlen. http://www.starwoodhotels.com/whotels/property/overview/index.html?propertyID=1965 

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Diejenigen hingegen, die ihren Urlaub am liebsten in der Heimat verbringen, sei dieses visionäre Konzept ans Herz gelegt. Raus aus dem Betonbau, rein ins Baumhaus. http://www.baumraum.de/ 

Ich verabschiede mich mit dem Gedankengut William Bernbachs, der das B in DDB darstellt. Ich glaube mich erinnern zu können, dass William einmal sagte: “Niemand zählt die Plakate, die Du buchst. Erinnert wird der Eindruck, den sie machen.“ In dem Sinne.